Gießen im Garten und auf dem Balkon die richtige Gießmethode für meine Pflanzen

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Gießfehler sind die häufigste Ursache, warum Pflanzen verkümmern. Gegossen werden sollte regelmäßig, doch was gilt als Regel? Der tägliche Griff zur Gießkanne oder zum Wasserschlauch muss längst nicht sein. Was regelmäßig ist, bestimmen nicht die Wochentage, sondern der Bedarf der jeweiligen Gewächse. Wer grundsätzliche Regeln beim Wässern beachtet, tut seinen Pflanzen Gutes und spart dabei noch Zeit und Geld.

Die Unterschiede im Wasserbedarf liegen nicht nur an den spezifischen Bedingungen, die Pflanzen stellen. Auch die Größe des Pflanzgefäßes, der Standort und die Beschaffenheit des Bodens spielen eine Rolle. Diese Faktoren haben Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen. Für die meisten Gewächse gilt, dass erst dann gegossen wird, wenn die Erdoberfläche sichtbar abgetrocknet ist.

Richtig gießen – die klassischen Methoden

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Gartenbesitzer haben meist die Wahl, ob sie mit der Gießkanne oder dem Schlauch Obst & Gemüse oder ihre Bäume gießen. Beides hat Vor- und Nachteile. Wer Wasser im Brunnen oder einem Regenfass sammelt, wird die Gießkanne bevorzugen. Erst wenn Sammelbehälter eine gewisse Größe erreichen, lohnt sich die Montage von Pumpe und Schlauchanschlüssen. Gesammeltes Regenwasser ist zudem temperiert, es bekommt den Pflanzen besser als eiskaltes Wasser aus dem Schlauch. Nachteil der Bewässerung mit der Gießkanne ist, dass sie mehr Zeit beansprucht und bei einem größeren Garten anstrengend werden kann. Im Zimmer und auf dem Balkon hält sich der körperliche Einsatz beim Gießen mit der Kanne in Grenzen. Es fehlt jedoch vielfach die Möglichkeit, Regenwasser zu sammeln. Allerdings gelingt hier das Dosieren der Wassermenge mit einer geeigneten Gießkanne leichter. Der Strahl oder Regenguss wird gezielt auf die Erde im Topf gebracht.

Gartenbesitzer greifen während der Hauptwachstumszeit gerne zum Wasserschlauch, um Obst & Gemüse oder die Bäume zu gießen. Diese Methode ist schneller, das Wasser muss nicht geschöpft und geschleppt werden. Schlauchdüsen zum Verstellen ermöglichen einen variablen Wasserstrahl. Für besonders empfindlich Gewächse wird eine Brause am Schlauch befestigt. Ein Nachteil dieser Methode kann darin liegen, dass zu viel oder falsch gegossen wird. Nicht jede Pflanze verträgt kaltes Wasser von oben. Deshalb sollte beim Gießen mit dem Schlauch besonders darauf geachtet werden, dass das Wasser vorzugsweise im Wurzelbereich ankommt. Auch zu üppige Wassergaben kommen beim Gießen mit dem Schlauch vor, denn wer nur den Wasserhahn aufdrehen muss, schaut nicht immer auf die verbrauchte Menge.

Tröpfchenmethode – Wasser sparen in Haus und Garten

Die Profis machen es seit Langem vor: Immer mehr Landwirte entscheiden sich dafür, in ihren Gemüsefeldern und Obstplantagen durch Tröpfchenbewässerung für eine ausreichende Feuchtigkeitszufuhr zu sorgen. Diese Methode ist äußert sparsam, weil das Wasser direkt an die Wurzeln gelangt. Was im großen Stil durch verlegte Bewässerungsanlagen oder Gießringe funktioniert, kann im eigenen Haus mit Gießkugeln und Bewässerungskegeln erreicht werden.

Tröpfchenbewässerung für Fensterbank und Balkon

Einmal das Wassergefäß auffüllen, viele Tage oder gar Wochen von einer gleichmäßigen Wasserzufuhr profitieren: Bewässerungskugeln und Bewässerungsringe sind vor allem dann praktisch, wenn man für einige Zeit verreisen möchte. Natürlich können sie auch das ganze Jahr genutzt werden und so zu einer sinnvollen und sparsamen Bewässerung beitragen.

Gießkugeln

Ein wenig unterscheiden sich beide Helfer in ihrer Funktion. Gießkugeln werden über die Röhre mit Wasser gefüllt und anschließend umgekehrt in das Pflanzgefäß gesteckt. Durch die Kapillarwirkung der Erde sickert das Wasser nicht rasch, sondern Tropfen für Tropfen in den Topf. Die Pflanze und der Nässegrad des Substrates bestimmen also, wie viel Wasser verbraucht wird. Ein kleiner Nachteil bei dieser Bewässerung ist, dass in den Kugeln keine allzu großen Mengen Wasser bevorratet werden. Zum Teil kann dies durch das Anbringen von mehreren Gießkugeln reguliert werden. Nicht immer ist dazu aber genügend Platz im Topf oder Blumenkasten.

Bewässerungskegel

Die Kapillarwirkung ist es auch, die bei den Bewässerungskegeln für die nötige Wasserzufuhr sorgt. Der Kegel aus Ton wird vor der ersten Benutzung für einige Stunden in Wasser gelegt, damit er sich vollsaugen kann. Anschließend füllt man den Bewässerungskegel mit sauberem Wasser und schließt ihn mit dem dazugehörenden Deckel. Dort ist ein dünner Schlauch angebracht. Ihn hängt man in einen mit Wasser gefüllten Behälter. Je nach Größe des Wasserbehälters reicht der Vorrat sogar mehrere Wochen aus. Für eine gleichmäßigere Bewässerung sollten in großen Blumentöpfen und im Balkonkasten mehrere Kegel gesteckt werden. Wer diese Art der Bewässerung für seinen Urlaub wählt, ist gut beraten, sie bereits einige Zeit vorher zu installieren. Schließt der Deckel nicht richtig am Kegel ab, fehlt die Saugwirkung. Das Wasser im Kegel entleert sich, ohne dass neues Wasser nachfließt.

Mit Bewässerungssäcken und Gießringen – Feuchtigkeit für Bäume und Hecken

Bewässerungsringe und Wassersäcke sind ebenfalls Methoden, die ihren Ursprung im gewerblichen Bereich haben. Oft sieht man sie bei Neuanpflanzungen von Bäumen, die von Kommunen ausgeführt wurden. Vorteil beider Methoden ist es, dass das Wasser aus dem Bewässerungssack oder dem Ring direkt in den Wurzelbereich der Bäume oder Hecken gelangt. An der Erdoberfläche verdunstet nur wenig, denn diese ist durch der Gießvorrichtung teilweise oder ganz abgedeckt. Die sparsame und gleichmäßige Wasserzufuhr bietet noch einen weiteren Vorteil: Durch die dosierte Wassermenge wird dafür gesorgt, dass die Erde zwar nass, aber nicht übernässt wird. Staunässe im Wurzelbereich oder das Durchlaufen von Gießwasser bis auf den Grundwasserspiegel ist hier eher eine Seltenheit. Je nach Größe des Gießrings oder des Bewässerungssackes können hundert Liter Wasser und mehr aufgenommen werden, die sich über mehrere Stunden langsam entleeren.

Gießringe und Bewässerungssäcke sind im Fachhandel erhältlich. Sie können aber auch selber hergestellt werden, indem man sie aus passenden Kunststoffbehältern oder wasserfesten, dichten Müllsäcken bastelt. Hier ist jedoch die Kontrolle auf Funktionstüchtigkeit besonders wichtig, damit es keine unliebsamen Überraschungen wie Austrocknen während der Abwesenheit gibt. Platzt ein nicht ausreichend stabiler Sack oder Behälter, ähnelt der Effekt einem Platzregen. Das kostbare Nass läuft in die Kanalisation oder ins Grundwasser, ohne länger anhaltenden Nutzen für Bäume und Hecken zu bringen. Die Folge ist nicht nur, dass sämtliche Gewächse leiden, es entstehen auch unnötig hohe Wasserkosten.

Bewässerungssysteme – Tropfen für Tropfen

Bereits bei der Anlage von Grünflächen, von Zierrabatten oder Gemüsebeeten kann eine sinnvolle und umweltfreundliche Bewässerungsanlage installiert werden. Dauerhaft und bei entsprechender Montage sogar weitgehend frostsicher sind Bewässerungsrohre. Sie werden mindestens einen halben Meter tief im Boden verlegt. Von den fest installierten Rohren aus sorgen im bestimmten Abstand angebrachte Bewässerungsköpfe für die dosierte Abgabe von Wasser. Auch Rasensprenger mit einem begrenzten oder variablen Radius lassen sich an diesen Rohrsystemen montieren. Auf Wunsch können es sich Gartenbesitzer und Kommunen dabei noch leichter machen. Mithilfe von Apps wird die Wasserzufuhr gesteuert. Hier kommen unterschiedliche Komponenten ins Spiel. Beispielsweise gibt es Schaltuhren, die die Beregnung zeitlich eingrenzen oder nur eine bestimmte Wassermenge zur Verfügung stellen. Besonders effektiv wird mithilfe von Fühlern bewässert, die die Bodenfeuchtigkeit messen und das Gießen entsprechend regeln. Bei dieser Methode wird kein wertvolles Wasser vergeudet.

Eine variable Methode ist die Tröpfchenbewässerung mit einem oberirdisch liegenden Schlauch. Hier stehen ebenfalls unterschiedliche Funktionsweisen zur Verfügung. Wer das Wasser direkt in den Wurzelbereich einbringen will, wählt einen perforierten Schlauch. Durch die feinen Öffnungen sickert tröpfchenweise Wasser, es gelangt unmittelbar ins Erdreich. Bei älteren Bewässerungsmethoden werden am Schlauch bewegliche Düsen angebracht. Sie beregnen einen bestimmten Abschnitt, das Wasser fällt je nach Winkel aus unterschiedlicher Höhe auf die Erde. Diese Art der Bewässerung schließt aber aus, dass ein Gartenabschnitt gleichzeitig genutzt und bewässert werden kann. Anders bei der direkten Tröpfchenmethode: Da hier die Feuchtigkeit direkt in die Erde gelangt, kann nebenbei im Garten gearbeitet oder die Freizeit genossen werden.

Sparsam bewässern – ökologisch und ökonomisch sinnvoll handeln

Vor allem die vergangenen heißen Sommer mit ihren anhaltenden Trockenperioden haben gezeigt, dass Wasser eine kostbare Ressource ist. Jederzeit kann es durch kommunale Verfügungen dazu kommen, dass nicht überlebensnotwendige Maßnahmen wie Gartengießen oder Autowaschen eingeschränkt oder gar verboten werden. Deshalb ist es besonders wichtig, umweltfreundlich und vorausschauend zu handeln. Der eigene Umgang mit dem wertvollen Wasser ist der erste Schritt dazu. Wer es vorbeugend schafft, individuelle Gewohnheiten zu ändern und Maßnahmen zu treffen, ist dann im Vorteil, wenn Trinkwasser wirklich über lange Wochen hinweg knapp wird. Das Regenfass oder besser noch die Regenzisterne an der Dachrinne des eigenen Hauses, das Verwenden von Brauchwasser zum Blumengießen im Haus und nicht zuletzt eine Bewässerungsmethode, die sparsam und effektiv ist, sind wichtige Schritte dazu. Grundsätzlich gilt beim Gießen zudem, dass weniger oft mehr ist. Staunässe, die einen unguten Einfluss auf die Wurzeln hat, wird vermieden. Die Wurzeln entwickeln sich zudem bei sparsamer Wassergabe besser und können die zur Verfügung stehende Feuchtigkeit besser nutzen.

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