Was sind Neophyten?

Rolf Magazin, Wissenswert

Die Geister die wir riefen

Neophyten sind „Einwanderer“, also Pflanzen, die sich in Gebieten etablieren und verbreiten, in denen sie vorher nicht heimisch waren. Verantwortlich dafür ist hauptsächlich der Mensch, der Samen und Pflanzen bewusst verbreitet hat oder diese unabsichtlich, quasi als „Blinde Passagiere“ über den weltweiten Warenverkehr verbreitet.

Den Vorgang der bewussten oder unbewussten Einschleppung hat es in der Geschichte wahrscheinlich immer schon gegeben, seit unsere Vorfahren vor vielen tausend Jahren begannen Anbau zu betreiben und auf ihren Wanderungen in neue Gebiete Samen und Jungpflanzen mitnahmen. Die Römer haben während der Epoche ihres riesigen Imperiums fleißig Pflanzen aus eroberten Gebieten in die Heimat gebracht und kultiviert, aber auch umgekehrt. Einen großen Schub bekam die Verbreitung von gebietsfremden Pflanzen mit der Entdeckung Amerikas. Allerlei exotisch anmutende Pflanzen wurden nach Europa gebracht, und dort an den adligen Höfen und in Parks angepflanzt. Teilweise um den Betrachter zu faszinieren, aber auch um sie zu nutzen. Die Kartoffel ist ein Beispiel dafür. Anfangs noch bestaunt, avancierte sie schnell zu einem wichtigen Nahrungsmittel, das sich in Europa rasch verbreitete und über Jahrhunderte, bis heute, zu einem wichtigen Bestandteil unserer Ernährung wurde. Sogar Hungersnöte konnten mit dem Anbau der Kartoffel erfolgreich verhindert werden. Die Kartoffel hat der Mensch weitestgehend im Griff. Im Gegensatz zu vielen anderen Neophyten, die aus Gärten und Parks entweichen konnten und verwildert sind. Ihnen wird heute besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil sich viele Neophyten scheinbar ungehindert ausbreiten können und dadurch einheimische Pflanzen verdrängen.

Die Liste der Neophyten ist lang und die Einschätzung bezüglich ihrer Auswirkungen auf die heimische Natur unterschiedlich, wie man bei der Kartoffel oder dem Mais sehen kann. Allerdings gibt es einige invasive Arten, die in manchen Gebieten zur Plage werden können. Sie werden von Naturschützern und Organisationen beobachtet und wo nötig bekämpft. Einige der bekanntesten Vertreter, die man auch im heimischen Garten oder in der umgebenden Landschaft oft findet, sind: das Drüsige Springkraut, der Japanische Staudenknöterich, der Riesenbärenklau, die Mahonie, der Götterbaum, die Kanadische Goldrute, die Robinie oder auch die Vielblütige Lupine. Die Aufzählung ließe sich noch stark erweitern, zeigt aber schon, dass hier Pflanzen genannt werden, die teilweise heute zum gewohnten Bild gehören. Sie werden teilweise im Handel als Zierpflanzen angeboten und richten nicht grundsätzlich Schaden an, sondern immer nur dort, wo sie gute Wachstumsbedingungen vorfinden und unkontrolliert wachsen. Die Bekämpfung hat sich bei manchen Arten als schwierig und kostenintensiv herausgestellt. Deshalb sollte man sich als Gartenbesitzer verantwortungsvoll zeigen, und dafür sorgen, dass die Pflanzen nicht aus dem Garten entkommen können. Gleichzeitig müssen sich die Organisationen und Verbände, die eine Bekämpfung befürworten kritisch fragen lassen, inwieweit sie die einem stetigen Wandel unterworfene Natur erneut beeinflussen möchten und was sie bereit sind zu tun, um etablierte Ökosysteme zu schützen. Schließlich ist der Mensch selbst nach wie vor der größte Zerstörer der Naturlandschaften – weltweit.

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